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Alles wird gut

Nina Lykke hat wieder ein fieses kleines Buch geschrieben, so gemein, als hätten Doris Knecht oder Margit Schreiner Patin gestanden, und dieser Schmäh ist dem Norweger an sich ja eher fremd. Oder dem Schweden.

Lykke aber nimmt vor allem dieses nervtötende  Gutmenschentum auf´s Korn, das letztlich nur Heuchelei ist, aber: „Wir tun so, als gebe es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, und all das ist gut gemeint, aber früher war auch alles gut gemeint, es ist immer gut gemeint, und mit all dem Gutgemeinten verdecken wir die Wirklichkeit und hübschen sie auf, um sie mit dem Zustand in Einklang zu bringen, in dem sie sich idealerweise befinden sollte, so wie wir es immer schon getan haben.“

Elin ist Ärztin für Allgemeinmedizin. Ärztin war schon ihre Mutter, die dauernd in der Weltgeschichte herumreiste, um in der Ferne Leben zu retten oder Pandemien zu bekämpfen, Orthopäde ist ihr Mann und die Töchter studieren auch beide Medizin.

Sie ist aber Ärztin im Staatsdienst, was es bei uns so nicht gibt, theoretisch ein nine to five-job. Aber die Patienten zeichnen sich durch ein hoch entwickeltes Anspruchsdenken aus und gehen ihr nach all den Jahren  gehörig auf die Nerven, so gehörig, dass sie schon anfängt, sich mit dem Plastikskelett Tore zu unterhalten.  Der ist eine Art vernünftigeres und zynischeres Ich als sie es sich selbst zugesteht, ein realistisch denkendes jedenfalls, das jegliche Ausflucht und jeden Selbstbetrug sofort kommentiert. Vor allem fragt er sie gerne, warum es ihr nie gelingt, auch einmal „Nein“ zu sagen.

Aber Elin ist quasi der Gutmensch an sich, wie so viele Frauen, die nie nein sagen, die sich lieber aufopfern, weil man sich dann so schön leid tun kann und vor allem einen hervorragenden Grund hat, das ein oder andere Glas zu viel zu trinken. Wobei man das gut verstehen kann, denn ihr Mann ist der Prototyp des Ehemannes, der nie sieht, was getan werden müßte, oder wenn man es ihm sagt, alles so lange so falsch macht, bis man lieber wieder selbst anpackt. Man könnte ja meinen, die Sorte sei ausgestorben, aber da Elin schon um die 50 ist, haben wir es noch mit einer Generation zu tun, wo das eben (noch?) so ist. Anders als bei den weichgespülten Vätern, die zutiefst beleidigt sind, wenn man ihnen sagt, dass ihre kleine Terroristentochter vielleicht ein wenig zu dick ist und besser ernährt werden müsste.  Die beschweren sich dann natürlich sofort bei der Rezeptionistin. Oh ja, man versteht gut, warum sie trinkt. Ihr Gatte ist in jeder freien Minute damit beschäftig, Skirennen zu laufen oder für eines zu trainieren. Die durchgeschwitzten Trikots allerdings hat er noch nie selbst in die Waschmaschine gesteckt.

Damals allerdings, als sie sich gerade von ihrem eifersüchtigen Freund Björn getrennt hatte, da schien Aksel wie eine Erlösung: kultiviert, humorvoll, gut aussehend, was will man mehr.

Nun aber, als die Ehe nach fast 30 Jahren schal geworden ist, wird Elin ein Opfer von Facebook, denn dort befreundet sie sich zufällig wieder mit Björn, und man trifft sich. Sie ahnen, was daraus wird?

Nicht ganz das, was man erwartet, aber ich will nicht zu viel verraten. Ach ja, anfangs sagte ich, sie hat „wieder“ ein Buch geschrieben. Denn es gibt da schon eines, das ich auch sehr empfehlen kann: „Aufruhr in mittleren Jahren.“ Wenn Sie also ein wenig aufrührerische Entspannung für die Weihnachtstage brauchen, sind das zwei sehr passende Bücher für Sie.

 

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783442759347
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