Days without end

 

Selten, sehr selten, also einmal im Jahr (in sehr guten Jahren zweimal) liest man ein Buch, daß so gut ist, man möchte vor dem Autor niederknien und ihn lobpreisen. Bei einem irischen Autor wie Barry  erschrickt man dann ein bißchen und fürchtet, er könne das für blasphemisch halten, auch wenn das mit Gott in diesem Buch so eine Sache ist.

„Tage ohne Ende“ ist fast ein Western, so wie „Das finstere Tal“ von Thomas Willmann, „Vater und Sohn von James Lee Burke oder die Bücher von Daniel Woodrell große amerikanische Geschichten erzählen.

Das beruhigende an diesem Buch ist, daß wir wissen, der Ich-Erzähler hat das alles überlebt, es wird also halbwegs gut ausgehen, was einem Wunder gleichkommt. Iren glauben an Wunder, und Iren können wunderbare Geschichten erzählen. Sebastian Barry weiß, was all diesen Iren widerfahren ist, die vor dem Hunger nach Amerika flohen, um dort auch erst einmal den Kitt aus den Fenstern zu fressen, wenn sie denn Fenster hatten. Die meisten hatten erst einmal keine.

 

John Cole und ThomasMcNulty lernen sich kennen, da sind sie gerade den Kinderschuhen entwachsen, zwei zerlumpte Gestalten, die sich gleich mögen und dann bald auch lieben, obwohl sie eigentlich gar nicht wissen, daß Männer sich auch lieben können. Und sie haben Glück, denn ein Saloon-Besitzer an der Frontier, der Grenze zum Niemandsland, stellt sie an, weil sie so hübsche Jungs sind, und gibt ihnen einen Job als Tänzerinnen. Ja, Tänzerinnen, in Mädchenkleider gesteckt sind sie am Abend bereit, um mit den Bergarbeitern zu tanzen, großen Kerlen mit Händen wie Kohleschaufeln, die aber ganz zart werden und sehr höflich, wenn sie mit diesen jungen Mädchen tanzen. Vielleicht ahnen sie auch, daß diese Mädchen gar keine sind, aber das ist egal, für ein bißchen Illusion zahlen sie 50 Pence pro Tanz. Das geht so lange, bis die Jungs zu groß werden, um noch in die Kleider zu passen, in denen sich vor allem McNulty so wohl fühlt, daß es ihm ein bißchen unheimlich wird.

 

Also verpflichten sie sich der Armee und ziehen nach Westen, durch Wüste und Schnee, um hinter der Grenze der Zivilisation den Siedlern beizustehen Ihr Major ist ein guter Mann, der mit den Indianern Frieden schließen will, was leider nicht wirklich gut geht. Nicht immer jedenfalls.

Barry gelingt es, ein geradezu lyrisches Epos zu erzählen, eines von denen ohne ein Wort zu viel, voller Gewalt, Blut und Liebe. Eines von denen, nach deren Lektüre man einmal mehr versteht, warum Amerika so ist, wie es ist. Warum es da alles gibt: Trump, aber auch die anderen.

Die deutsche Ausgabe, Tage ohne Ende, erscheint im September.

Barry, Sebastian
Faber and Faber Ltd.
ISBN/EAN: 9780571277025
11,00 €