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Der Ausflug

Ein bißchen spät komme ich mit dieser Buchempfehlung, weil „Der Ausflug“ von Dirk Kurbjuweit schon vor geraumer Zeit erschienen ist – aber jetzt beginnt die Ferienzeit und vielleicht planen Sie eine Reise in die mecklenburgische Seenplatte oder ähnliche Gegenden in unserem Osten?

Dort nämlich sind vier Freunde unterwegs, um eine Kanutour zu unternehmen. Das Szenario kennen wir aus amerikanischen Filmen: „Flußfahrt“ heißt einer, glaube ich, in denen harmlose Touristen in die Fänge böser Männer geraten, die sie gnadenlos jagen.

Amalia, Bodo, Josef und Gero zeigen uns schon auf der ersten Buchseite, dass sie nicht erwarten, an ihrem Reiseziel auf ähnlich kultivierte Menschen zu treffen wie sie selbst, und  bei ihrer Ankunft er östlichen Provinz bestätigt sich dieses Vorurteil: nicht nur, dass das  Landhotel einen sehr rustikalen Charme zu bieten hat und der Wirt sie wenig freundlich empfängt, sie treffen auch  auf Gaststubenhocker, die den Umstand, dass Josef schwarz ist, offensichtlich nicht besonders schätzen.

Aber natürlich lassen sich die vier davon nicht abschrecken, vor allem Amalia ist von der taffen Sorte, die Bauerntölpeln nicht  den Sieg überlassen will. Amalia ist allerdings keine besonders sympathische Figur, und fast bringt man Verständnis auf für die Truppe von Rassisten, die Josef nicht einmal das Klo benutzen lassen will – denn Amalia läßt so sehr die intellektuelle Großstädterin heraushängen, dass sich die in ihren Augen tumben Stammtischbrüder nur angegriffen fühlen können. Leider rächt sich Josef für diesen Affront, indem er auf die Ladefläche eines Pickups pinkelt, der einem dieser Kerle gehört.

Sie ahnen, die Paddeltour wird kein Erfolg. Wer jemals zu zweit in einem Boot saß, weiß, dass darin sehr viel gruppendynamisches Konfliktpotential lauert, und sich zeigen muß, wer sich wem unterordnet, auf dass man gemeinsam voran komme.

Auch wenn das Setting auf den ersten Blick  ein wenig klischeehaft daher zu kommen scheint, gelingt es Kurbjuweit doch, eine so realistische Spannung aufzubauen, dass man sich bei der Art von Schaudern ertappt, die man zum letzten Mal als Kind empfand: die einen dazu bringt, sich im Wald umzudrehen, ob nicht doch ein Räuber hinter dem Baum lauert, oder ein wildes Tier.

Das böseste Tier jedoch ist der Mensch, und in Zeiten großer Anspannung zeigt sich, was eine Freundschaft wert ist.

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783328601715
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