Die Einwilligung

Die Einwilligung

 

war keine, so viel steht fest. Vanessa Springora hat ein Buch geschrieben, dass jedenfalls hervorragend in die Zeit von Prozessen gegen Harvey Weinstein und Jeffrey Epstein paßt. Wer wie ich findet, dass die me too-Bewegung ein paar Auswüchse gezeitigt hat, in der manche Frauen sich auf seine fatale Weise so zu Opfern stilisieren, dass die wirklichen Opfer dabei in Vergessenheit geraten, wird in diesem Buch eine andere Geschichte finden, eine leider furchtbar wahre.

Springora ist 14, als sie von einem angesehenen französischen Schriftsteller zur Geliebten erkoren wird, und dies noch mit der Förderung ihrer eigenen Mutter. Es gab Zeiten, in der Tat, in der selbst intelligente Menschen wie Sartre meinten, die sexuelle Freiheit schließe auch ein, dass Kinder sich unbeschränkt entfalten dürften, unter der Anleitung erwachsener Männer (denn Frauen waren und sind nach wie vor selten Täterinnen sexuellen Mißbrauchs). Es macht sprachlos, auf welch perfide Weise dieser Mann, um den es in diesem Buch geht, die Verehrung eines Kindes ausgenutzt hat, wie man ihn dafür auch noch hofierte in Literaturkreisen, und man kann nur bewundern, wie es Springora gelungen ist wiederzugeben, was sie damals fühlte: wie sehr sie sich selbst eingeredet hat und einreden ließ, sie sei eine Auserwählte, etwas Besonderes, jemand, der, als sei es eine Gnade, die Manipulationen ihrer Umgebung wie ein Geschenk annahm.

Und wie lange sie brauchte, bis diese Wunde sich schloß, auch wenn die Narbe für immer bleibt

Springora, Vanessa
Blessing, Karl, Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783896676832
20,00 € (inkl. MwSt.)