Die Frau vom Strand

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Kriminalromane Moden unterworfen sind? So ähnlich wie Buchcover, bei denen wir gerade die Phase der „Frau von hinten vor Landschaft“ überwunden zu haben scheinen, abgelöst von „mehrere Frauen blicken in die Zukunft“.

Bei Krimis ist zur Zeit der Perspektivwechsel en vogue. Abwechselnd erzählen verschiedene Protagonisten ihre Geschichte – das kann klappen oder auch nicht. Wenn es nicht so gut läuft, verwirrt das den Leser, weil er Schwierigkeiten hat, die Handlungsstränge wieder zusammenzubringen. Wenn der Autor es nicht übertreibt, kann es in der Tat funktionieren, so wie bei dem Roman von Petra Johann, die ich jedenfalls schon dafür loben muß, dass sie die juristische Seite des Ganzen gut recherchiert hat. Aber worum geht es?

Zwei Frauen spielen die Hauptrolle, Rebecca und Julia, ein lesbisches Paar mit einem Baby, Greta. Julia ist Miteigentümerin einer IT-Firma, die Computerspiele herstellt, sehr tough und doch ein so guter Mensch, dass es fast schon unrealistisch ist. Rebecca dagegen ist eher zart, neigt seit einer Fehlgeburt zu Depressionen und hat sich deshalb nach Rerik, einem kleinen Küstenort an der Ostsee unweit von Rostock, zurückgezogen. Julia pendelt ihr zuliebe immer von Hamburg nach Rerik.

Nun kann man sich fragen, wie ein lesbisches Paar zu einem Kind gekommen ist, und das ist in der Tat der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Rebecca lernt am Strand eine Frau kennen, mit der sie Freundschaft schließt, und die aber nach ein paar Tagen spurlos verschwindet. Kaum ist sie weg, wird am Strand eine Leiche gefunden, Julias nämlich, die offensichtlich einen Abhang hinunterstürzte. Unfall, Selbstmord oder Mord, das ist nun die Frage für Edda, die Kommissarin mit leicht autistischen Zügen, die einem bis zum Schluß nicht wirklich sympathisch wird, aber darauf kommt es nicht an.

Ich bin kein allzu großer Freund deutscher Krimis, jedenfalls dann nicht, wenn sie Serienmörder auftreten lassen und auch sonst zu übermäßiger Gewalt neigen, die zur deutschen Gesellschaft Gott sei Dank immer noch nicht recht passen will. Hier dagegen ist es der Autorin gelungen, zum einen tatsächlich Ermittlungsarbeit zu zeigen und nicht nur Polizisten mehr oder weniger planlos herumirren zu lassen, bis ihnen auf den letzten 10 Seiten die Erleuchtung kommt. Zum anderen ist die Szenerie nebst der sie bevölkernden Figuren doch recht lebensnah – mit anderen Worten: man wird gut unterhalten und ahnt erst recht spät, wohin der Strandhase läuft.

Johann, Petra
Rütten & Loening
ISBN/EAN: 9783352009525
16,99 € (inkl. MwSt.)