Die himmlische Tafel

Die himmlische Tafel – das ist der Ort, an dem man im Himmel für alle Entbehrungen entschädigt wird, wo Milch und Honig fließen oder wenigstens ein Donut  zu haben ist oder eine Schüssel Haferbrei. Die 3 Jewett-Brüder allerdings sind weit entfernt von solchen Genüssen, seit ihre Mutter gestorben ist und ihren Vater dem Wahnsinn nahe zurückgelassen hat. Ihr Frühstück besteht in der Regel aus einem harten Klumpen aus Mehl und Wasser, der so eklig ist, das ihn wirklich nur der übelste Hunger hineintreiben kann.  Ein Wunder, daß man damit durch den Tag kommt, erst recht, daß die 4 den Knochenjob durchzuhalten, für den sich ihr Vater Pearl von Major Tardweller beauftragen ließ, einem widerlichen Großgrundbesitzer: mehrere Hektar Land zu roden für den lächerlichen Lohn von 40 Hühnern. Dabei hat Tardweller in Wahrheit nicht die geringste Absicht, seinen Teil des Vertrages einzuhalten.

Der älteste Sohn, Cane, ist der vernünftigste, seine Mutter hatte ihm noch Lesen und Schreiben beigebracht, bevor sie starb. Cob, der zweite, ist ein wenig langsam im Kopf, ganz anders als der jüngste Bruder Chimney, der lieber heute als morgen den verrückten Vater verlassen und ein besseres Leben suchen möchte. Aber dann stirbt der Vater einen elenden Tod beim Scheißen im Wald, würdelos, wie ihr ganzes Leben, und die Jungs beschließen, sich endlich davonzumachen, nicht ohne vorher 3 Pferde beim Major zu stehlen. Das klappt nicht ganz wie gedacht, denn sie werden vom Hausherrn überrascht und müssen ihn leider totschlagen, was naturgemäß ihre Zukunftspläne etwas komplizierter macht, denn alles, was sie bis dahin vom Leben jenseits ihrer elenden Hütte wissen, stammt aus einem Groschenroman, „Das Leben von Bloody Bill Bucket“. Der ist ein erfolgreicher Schläger und Bankräuber,  und Chimney fand schon immer, daß es vielleicht keine schlechte Idee sei, ihm nachzueifern.  Da sie nun ohnehin durch den Mord am Major die Grenze zur Gesetzlosigkeit überschritten haben, kommt es jetzt auf weitere moralische Überlegungen auch nicht mehr an. Sie überfallen also eine Bank, was dem Filialleiter gut zu Paß kommt, hat er doch in der letzten Zeit 30000 Dollar unterschlagen, deren Verlust er den dreien wunderbar in die Schuhe schieben kann….

Dann gibt es noch die Familie Fiddler, geschlagen von einem trunksüchtigen Sohn, und Opfer eines Trickbetrügers, der Ellsworth Fiddler die gsamten Ersparnisse von 1000 Dollar für 40 Kühe abknöpft, die ihm leider nicht gehört haben.

Pollocks Welt ist voller verlorener Kreaturen, einem Scheißhausinspektor, einem schwulen Leutnant, der hofft, im 1. Weltkrieg an der deutschen Front ehrenvoll fallen zu können, da sein Selbstmordversuch ziemlich kläglich gescheitert ist, einem Serienmörder, dem eine heruntergekommene Spelunke gehört, in der er seine Opfer findet und im Hinterzimmer kunstvoll foltert und umbringt.

Pollock schafft es wie schon in „Knockemstiff“ und dem „Handwerk des Teufels“ auch diesmal wieder, das Bild einer amerikanischen Gesellschaft zu zeichnen, das leider, leider, mitnichten so überzeichnet ist, wie es einem am Anfang zu sein scheint. Und in Zeiten eines Präsidentschaftskandidaten Donald Trump helfen Bücher wie dieses zu verstehen, auf welchen Boden aus Elend und Träumen die amerikanische Gesellschaft gebaut ist.

 

Pollock, Donald Ray
Liebeskind Verlagsbuchhandlung
ISBN/EAN: 9783954380657
22,00 € (inkl. MwSt.)