Die Liebe im Ernstfall

ist das, worauf es ankommt:

„Liebe ist kein Gefühl. Liebe ist keine Romantik. Liebe ist eine Tat. Man muss die Liebe vom Ernstfall aus betrachten.“

Und im Ernstfall ist man meistens allein. Das ist der Schluss, den eigentlich jede der fünf Frauen, die uns Daniela Krien in ihrem Buch vorstellt, nach mehr oder weniger glücklichen Verbindungen ziehen. Judith, die Schönste unter ihnen, erwartet erst gar keine keine Liebe, sondern nur gute Unterhaltung, auch wenn der Aufwand, den sie für ihr Aussehen betreibt, vielleicht nicht mehr im rechten Verhältnis zum Erfolg bei den Herren steht. Malika hat die Sache mit den Männern aufgegeben, nachdem ihr Paula den einzigen ausgespannt hat, der sich je für sie interessierte. Dann gibt es noch Brida Lichtblau, die Schriftstellerein, der wir das obige Zitat verdanken. Sie hat ihre Inspiration zwischen Kindern und Mann irgendwo unterwegs verloren, und muss dann auch noch damit leben, dass er nun, als wolle er das bekannteste aller Beziehungsklischees erfüllen, eine Jüngere hat, was ihn nicht darin hindert, trotzdem (oder deshalb?) immer noch mit ihr zu schlafen. Glückliche Kerle, die tatsächlich immer wieder Frauen finden, die Dreiecksverhältnisse akzeptieren, als sei es ein Gedicht von Brecht. Eine Zeitlang, zumindest. Und dann gibt es noch Jorinde, Malikas Schwester, die erfolgreiche Schauspielerin, die wie Brida ihren Beruf und die Kinder nicht wirklich unter einen Hut bekommt – wie denn auch…

Wer die Romane von Doris Knecht mag, wird auch dieses hier sehr schätzen. Frau Krien ist nicht ganz so zynisch und ihre Figuren haben noch ein wenig mehr Hoffnung als die Frauen der Romane von Frau Knecht, aber das nutzt ihnen nichts. Aber es schadet auch nicht, dieses Buch, wie jede gute Literatur, als Trost für den Ernstfall zu lesen.

Krien, Daniela
Diogenes Verlag AG
ISBN/EAN: 9783257070538
22,00 € (inkl. MwSt.)