Die vier Jahreszeiten des Sommers

„Man muß mit der Zeit gehen“, sagt Daumier.  „Und wenn die Zeit sich irrt?“ erwidert Ingres.

Diese kurze Konversation könnte auch als Motto über diesem Buch stehen, dieser Geschichte von vier Liebespaaren, miteinander verwoben, vor der Kulisse eines Strandes in der Bretagne.

Immer in der Bretagne. Vielleicht ist das, was die französische Literatur so besonders mache, der Umstand der Gleichförmigkeit innerhalb einer bestimmten Klasse – die Sommer am Meer, unausweichlich, alle zur gleichen Zeit, alle teilen die gleichen Erinnerungen, das gleiche Ritual, vom Land ans Meer und zurück. 

Der nächste Sommer kommt bestimmt, also ist es nicht so schlimm, daß ich mich erst jetzt an dieses Buch wieder erinnere, das ich schon im Herbst (auch etwas spät, zugegeben) empfehlen wollte.

Es sind alle Stadien der Beziehung vertreten – das ganze alte Paar, das noch einmal an das gleiche Meer so vieler Sommer zurückkehrt, um Abschied zu nehmen. Das sehr junge Paar, das noch nicht weiß, wie ihm geschieht, die Ehefrau, die müde geworden ist daran, ihrem Mann Zeichen zu entlocken und mit dem Gedanken an einen Seitensprung spielt…Sie alle lernen sich kennen und lernen etwas von anderen, und die Verwicklungen lösen sich dann ganz anders auf, als man erwartet.

Ein sehr viel schöneres und subtileres Buch, als der Titel vermuten läßt.

Delacourt, Grégoire
Atlantik Verlag
ISBN/EAN: 9783455002072
12,00 € (inkl. MwSt.)