Gespräche mit Freunden

Die Gespräche kommen einem manchmal etwas altklug vor, und vor allem sind sie eine Art Selbstgespräch der Protagonistin Frances. Wenn man dann merkt, dass sie erst 21 ist, verzeiht man ihr den Ton natürlich, denn sie ist eine beeindruckende kleine Person: studiert Literaturwissenschaften, schreibt Essays und manchmal Lyrik, die sie mit ihrer Freundin Bobbi bei Poetry Slams vorträgt, und sie kann komplizierte Klugscheisserworte verwenden wie „epistemische Reartikulation“ und „operante diskursive Methoden“.

Sie ist also nicht altklug, sondern klug, und das weiß sie, und hübsch, wenn auch nicht ganz so schön wie ihre lesbische Freundin Bobbi, mit der sie in der Schule eine Art experimentelle Liebesbeziehung unterhielt. Auf beide Frauen ist nun Melissa aufmerksam geworden, eine in Künstlerkreisen renommierte Journalistin, die über die beiden eine Art Reportage schreiben will. Die wiederum ist mit Nick verheiratet, einem mäßig erfolgreichen, aber umwerfend gutaussehenden Schauspieler…

Es kommt, wie es kommen muß, Frances und Nick beginnen eine Affaire, die dann doch etwas mehr ist also bloßer heimlicher Sex. Man hat sich was zu sagen, ab und an. Das so beginnt das alte Spiel: Souverän will Frances sein, es macht ihr natürlich nichts aus, daß Nick mit Melissa verheiratet ist, er ist ja auch schon ein alter Mann Anfang 30, und Gefühle zeigen gilt ohnehin nicht. Aber dann erzählt er doch seiner Frau, was los ist, was Frances ja eigentlich wollte, oder nicht?

Wer einmal in einer solchen Lage war, weiß, dass es so eine Sache ist mit diesen verbotenen Beziehungen – man schwört sich, es endlich zu lassen, aber es gelingt nicht so recht. Nichts Neues also beim Thema, aber die Autorin Sally Rooney ist tatsächlich erst 1991 geboren und zeigt uns Alten, was eine Harke ist: das Kind kann schreiben! Überzeugen Sie sich selbst!

Rooney, Sally
Luchterhand Literaturverlag
ISBN/EAN: 9783630875415
20,00 € (inkl. MwSt.)