Geständnisse

Geständnisse

Erinnern Sie sich an Rashomon? Für die Jüngeren unter Ihnen hier eine kleine Nachhilfe: in diesem auf einem Roman basierenden berühmtesten Film von Kurosawa geht es um ein Phänomen, das jedem Strafjuristen bekannt sein sollte: es gibt keine Wahrheit, nur verschiedene Versionen einer Geschichte. Ein ähnliches Phänomen ist Gegenstand dieses Romans der japanischen Autorin Kane Minato. Yuko Moriguchi ist Lehrerin, eine gute dazu. Aber sie gibt ihren Beruf auf, nachdem ihre über alles geliebte Tochter Manami tot im Schwimmbad der Schule gefunden wird. Und als gute Lehrerin verabschiedet sie sich von ihrer Klasse, indem sie ihre Gründe für ihr Ausscheiden erklärt. Sie geht, weil sie weiß, daß zwei ihrer Schüler den Tod ihrer Tochter verschuldet haben. Sie nennt die Namen nicht, aber sie gibt genug Informationen, damit alle wissen können, wer gemeint ist. Vor allem aber hinterläßt sie den beiden Tätern eine Botschaft, die eine Kette von Ereignissen in Gang setzt, die nun wiederum von jedem der Betroffenen unterschiedlich geschildert wird. Und jedes Mal, wenn der Leser meint, nun der Wahrheit näher gekommen zu sein, muß er erkennen, das Wahrheit ein sehr relativer Begriff ist und manchmal nichts schwerer als zu entscheiden, wer Täter ist und wer das Opfer.

 

Minato, Kanae
Bertelsmann, C. Verlag
ISBN/EAN: 9783570102909
16,99 €