Kaffee und Zigaretten

sind die Zutaten, die ein Strafverteidiger, wie ich aus Erfahrung weiß, zum Überleben benötigt. Hin und wieder kommt ein wenig Alkohol hinzu. Inzwischen habe ich fast alle Bücher von Schirachs gelesen und mir gefällt dieses, sein neuestes, am Besten. Die Trilogie seiner „Verbrechensgeschichten“ mochte ich ebenso, auch wenn ich inzwischen durchschaut zu haben glaube, wie er an seine dort geschilderten Fälle gekommen ist, die er, wie Thomas Fischer einst in der ZEIT schrieb, sicher nicht alle selbst verteidigt hat. Aber darauf kommt es auch nicht an: ihm ist in Verbrechen, Schuld und Strafe etwas gelungen, was diese Gesellschaft sehr nötig hat: zu erklären, was Strafrecht ist und ausmacht, Komplexität zu reduzieren, wie Luhmann sagen würde.

„Kaffee und Zigaretten“ ist wohl sein persönlichstes Buch, eine Erläuterung dessen, was ihm wichtig ist.  Dem Raucher empfehle ich Kapitel 16, das mit einem Zitat von Mark Twain beginnt, der gesagt haben soll, dass er auf den Himmel verzichte, wenn er dort nicht rauchen dürfe. Und wie jeder Raucher weiß auch von Schirach, dass das Rauchen eine Art „memento mori“ ist, „eine Erinnerung an unseren Tod, die immer auch eine Erinnerung an unser Leben ist.“ An die Momente, die nur mit einer Zigarette perfekte Momente waren. Und natürlich sollten wir damit aufhören, ernsthaft. Ernsthaft?

Es ist ein kluges Buch, stilvoll, altmodisch. Das Buch eines Mannes, der zu einer aussterbenden Spezies gehört, wie wir Raucher eben.

Schirach, Ferdinand von
Luchterhand Literaturverlag
ISBN/EAN: 9783630876108
20,00 € (inkl. MwSt.)