Late Show

heißt bei den Cops in Los Angeles die Nachtschicht, und zu der werden gerne Polizisten versetzt, die man ein wenig bestrafen will. Manche aber wählen freiwillig die späte Arbeit,  Jenkins zum Beispiel,  der tagsüber seine krebskranke Frau pflegt und nachts mit Renée Ballard eines der Teams bildet, die immer als erste zum Tatort gerufen werden.

Renée ist dort gelandet, weil sie vor zwei Jahren ihren Chef wegen sexueller Belästigung gemeldet hat, und das tut man selbstverständlich nicht, wenn man Karriere machen will oder einfach nur einen Job, der einem mehr liegt.

Eigentlich hat sich  Renée  in der Late Show arrangiert, weil sie ihr Gelegenheit gibt, tagsüber mit ihrem Standup-Brett und ihrem Hund auf´s Wasser zu gehen und danach am Strand im Zelt zu schlafen, denn eine Wohnung hat sie nicht, will sie auch nicht. Das Einzige, was sie nicht schätzt an der Nachtschicht ist, dass man keine Fälle zu Ende ermitteln kann, wie den der Transvestitin, die sie übel zusammengeschlagen in einer Ecke findet wie Abfall, den man entsorgt hat. Das läßt ihr keine Ruhe und dann gibt es da noch eine Schießerei in einem Nachtclub mit vier Toten… Aber Renée ist ein wenig stur und hartnäckig, daher gelingt es ihr doch, mehr oder weniger heimlich an beiden Fällen dranzubleiben, die sich als viel gefährlicher erweisen, als es anfangs schien.

Michael Conelly ist Drehbuchautor und das merkt man. Er kann Dialoge schreiben und beherrscht die Dramaturgie – kein Wort zu viel und eine Geschichte ohne Schnörkel, die sich trotzdem die Zeit nimmt, den Leser in die Szenerie hineinzuziehen, als führe man selbst durch diese Straßen, die man noch aus den Chandler-Romanen kennt, als säße man mit Renée in diesen heruntergekommenen Revieren mit den alten, zusammengeschobenen Schreibtischen und alten Computerbildschirmen. Vor allem ist diese Story  gut recherchiert: da stimmt alles und man muß sich nicht wie bei manchen deutschen oder schwedischen Romanen fragen, ob der Autor eigentlich jemals mit jemandem vom Fach gesprochen hat.

Zudem ist Renée Ballard eine Figur, die man gerne näher kennenlernen möchte, und da „Late Show“ ihr erster Fall ist, kann man sich schon auf den zweiten freuen. Wer nicht warten möchte, bis die deutschen Ausgaben erscheinen, der besorge sich die englischen Versionen, es lohnt sich.

Connelly, Michael
Kampa Verlag AG
ISBN/EAN: 9783311125037
19,90 € (inkl. MwSt.)