Leben auf dem Land

Das Gegenteil von Juli Zehs  „Unterleuten“ ist dieses Buch. Auch wenn sich Frau Hubbell ebenfalls ein paar Sätze über die Städter, die alles besser wissen als die Landbewohner, nicht verkneifen kann.

Wenn Sie einfach etwas Schönes lesen wollen, etwas ruhiges, das Sie tatsächlich so entspannt, als säßen Sie im Licht der Frühmorgensonne auf Ihrer Bank vor dem Haus und beobachteten Vögel, dann sind Hubbells Skizzen aus den Ozarks in Missouri genau das Richtige. Nebenbei merke ich bei Büchern wie diesem, warum mich Amerika so fasziniert – wegen der Weite, der Einsamkeit, der Farmen, auf denen Frauen alleine leben können und ihre Kraft offenbar aus dem alten Pioniergeist schöpfen, mit dem sie auch im Planwagen gen Westen gezogen sind. Damals, um dort einen Farmer zu heiraten, heute, weil der Mann wieder in die Stadt geflohen ist, oder zu einer anderen Frau.

Und Hubbell muß man lieben wegen Sätzen wie diesem: „So ein Seilhebelzug ist ein erheiterndes, sinnvolles Gerät für eine Frau.“

Ähnlich wie Doris Knechts „Wald (erscheint übrigens demnächst als Taschenbuch,merken!),  aber im Gegensatz zu deren Geschichte aus dem Waldviertel nicht so hart und vor allem nicht erfunden, ist Hubbells Landleben  auch eine ungemein beruhigende und zugleich anspornende Emanzipationsgeschichte: man kann in der Tat überleben ohne Mann. Sogar in der Wildnis. Wenn man einen Seilhebelzug hat. Gut zu wissen.

 

 

Hubbell, Sue
Diogenes Verlag AG
ISBN/EAN: 9783257069600
22,00 € (inkl. MwSt.)