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Privateigentum

kann ja etwas Schönes sein, gerade in diesen Zeiten, vor allem dann, wenn man der lauten Stadt entfliehen will, der Enge, der schlechten Luft und der schlechten Gesellschaft und der zu kleinen Terrasse, auf der sich die Balkonpflanzen irgendwann nicht mehr richtig entfalten können.

Wir erfahren nicht, wie die Erzählerin heißt, die uns in einer Art Tagebuch ihre Geschichte erzählt, aber das ist auch egal. Sie arbeitet in einem renommierten Architektur- und Stadtplanungsbüro, deshalb versteht sie natürlich auch etwas von alternativen Wohnanlagen, ökologisch korrekt und exklusiv. Vier Doppelhäuser, mit Solarenergie versorgt, einer eigenen Müllverwertungsanlage, mit Kompostierung des Biomülls – ideal für den großen Garten hinter dem Haus.

Schöner wäre das alles natürlich, wenn der eigene Ehemann nicht depressiv wäre und an diversen Phobien litte. Und wenn sich die unmittelbaren Nachbarn nicht als schrecklich entpuppen würden, vor allem die Dame von nebenan. Und wenn sich nicht herausstellte, dass die tolle Anlage ihre baulichen Macken hat und man sich offenbar bei der Berechnung des Energiekreislaufes vertat mit der Folge, dass es kein warmes Wasser gibt. So etwas kann man beheben, wenn man die Straße wieder aufreißt und neue, konventionelle Leitungen legt, aber ganz so ökologisch ist das Ganze dann nicht mehr.

Jenseits der baulichen Macken liegen die Nachteile eines so exklusiven kleinen Kreises vor allem in dem Umstand, dass man sich relativ schnell kennenlernt und dann nicht mehr aus dem Weg gehen kann. Umso mehr schmerzt es, wenn alle zur Party nebenan kommen und man selbst nicht eingeladen war. Wobei sich im Laufe des Buches der Verdacht aufdrängt, dass die Erzählerin vielleicht doch nicht ganz so unschuldig ist am Verlauf der Dinge. Und dass es einen Grund geben mag, warum ihre Partner im Architekturbüro Treffen mit ihr gerne hinausschieben und ihr Ehemann sich mit einer doppelten Dosis Antidepressiva nach oben in sein Zimmer verzieht.

Julia Deck hat ein fieses kleines Buch geschrieben, eine Mischung aus Desperate Housewifes und „Nette Menschen mit Hunden“, mit einem sehr französischen Touch, naturgemäß, denn trotz des sehr deutschen Namens ist die Dame Französin. Aber vielleicht hat sie ja österreichische Vorfahren, denn der Schmäh in diesem Buch wäre einer Margit Schreiner würdig.

Wer sich also von den deprimierenden Büchern erholen möchte, die ich sonst gerade auf dieser Seite empfehle, dem sei dieser hübsche schmale Band sehr ans Herz gelegt.

Roman, SALTO 257
EAN: 9783803113566
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