Schlüssel 17

Wer tatsächlich ab und zu unsere Buchempfehlungen liest, hat wahrscheinlich gemerkt, dass ich deutsche Krimis nicht unbedingt zu meinen Favoriten zähle. Es geht ihnen gerne die Glaubwürdigkeit ab, schon weil in Deutschland nur sehr selten Serienkiller ihr Unwesen treiben. Glaubt man hiesigen Krimiautoren, müßte vor allem Berlin die Hauptstadt von Mord und Totschlag sein. Und leider mangelt es so manchem unserer Kriminalschriftsteller auch ein wenig an stilistischer Geschliffenheit.

Wie schön also, dass ich jetzt mal einen loben kann: Marc Raabe nämlich, der in „Schlüssel 17“ einen neuen Ermittler einführt, von dem ich gerne mehr erfahren möchte. Der Cliffhanger ist schon einprogrammiert, worüber ich jetzt natürlich nichts verraten kann, um Ihnen nicht die Spannung zu nehmen.

Tom Babylon hat als Teenager seine kleine Schwester Viola verloren, nachdem er und 4 seiner Freunde bei einer Mutprobe am Fluß im Wasser eine wohlverschnürte Leiche gefunden haben, neben der ein Schlüssel mit der eingravierten Nummer 17 lag. Viola geht mit dem Schlüssel stiften und wird Monate später als Leiche aus dem Wasser gezogen. Jedenfalls wird das behauptet, Babylon aber kann das bis heute nicht glauben. Nun ist er Ermittler bei der Mordkommision und wird in den Berliner Dom gerufen, in dem die Leiche der früheren Bischöfin wie gekreuzigt von der Decke hängt.

Da er schon ein paar Disziplinarverfahren hinter sich hat, wird ihm eine Psychologin zur Seite gestellt, Vater Kubaner, Mutter Deutsche, wie es das in der DDR früher öfter gab. Und der Fall führt dann auch in die Kreise alter DDR-Seilschaften, die einiges zu verbergen haben.

Die Geschichte ist stimmig, gerade mit ihren politischen Implikationen interessant und vor allem gut geschrieben. Da macht es auch nichts, dass sie in Berlin spielt.

Raabe, Marc
Ullstein Buchverlage GmbH
ISBN/EAN: 9783548290997
10,00 € (inkl. MwSt.)