Uns gehört die Nacht

Der Roman trägt im im englischen Original den Titel „White fur“, und das ist weitaus treffender. Denn ihr weißer, schmuddeliger Kaninchenpelz ist für Elise, die Latina aus ärmlichen Verhältnissen und mehr oder weniger auf der Straße aufgewachsen, etwas ganz Besonderes.  Der Mantel ist ein Versprechen, eine Eintrittskarte, jedenfalls aber etwas, das einen warm hält in dieser nicht gerade anheimelnden Welt, aus der sie kommt.

Nun lebt sie in einer WG in einer etwas besseren Gegend, und beobachtet die Jungs aus dem Haus gegenüber: drei Upper-Class-Jüngelchen mit Geld wie Heu, und lernt so Jamey kennen, den vielversprechenden Erben der Hyde-Dynastie. Jeder in New York und darüber hinaus kennt den Namen Hyde, und natürlich erwartet man von Jamey, dass er einmal in die Fußstapfen des Vaters tritt und ein erfolgreicher Investmentbanker wird oder zumindest etwas Gleichwertiges. Und sich zu gegebener Zeit mit einer Tochter aus gutem Hause verlobt, blass und anorektisch und stilsicher.

Diese beiden jungen Menschen lernen sich nun kennen, oder man könnte sagen: sie legt es darauf an, ihn kennenzulernen. Und zeigt ihm alle Tricks, die sie so drauf hat im Gegensatz zu den feinen, frigiden Eastcoast-Dämchen. Irgendwann kommt er jede Nacht zu ihr, obwohl er sich dafür verachtet, er setzt sich auf Entzug und leidet furchtbar, und jenseits des Sex wächst da so etwas wie Liebe. Vor allem aber öffnet diese Beziehung für Jamey einen emotionalen Fluchtweg, weg vom stillen, aber beständigen Druck seiner Familie. Er bricht sein Studium ab und geht  nach Manhattan, um ein mehrmonatiges Praktikum in einem Auktionshaus zu machen. Eine Bekannte stellt ihre Wohnung im Village zur Verfügung, während sie auf Reisen ist, und zu seiner eigenen Verblüffung hört er sich Elise fragen, ob sie mitkommen will.

Natürlich will sie. Ob das gut geht, sei nicht verraten. Lesen Sie selbst.

 

Libaire, Jardine
Diogenes Verlag AG
ISBN/EAN: 9783257300727
16,00 € (inkl. MwSt.)