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Verzweiflungstaten

Verzweiflungstaten begeht man gerne in recht frühen Jahren und in einem Zustand, den man für Verliebtheit hält. Nun ist das gute am Alter, dass man nicht mehr jung ist und sich einbilden kann, über hinreichend Erfahrung zu verfügen, den gröbsten Blödsinn hinter sich gelassen zu haben.

In den letzten Monaten habe ich einige Bücher von jungen Autorinnen gelesen, die mich in dieser Hinsicht sehr dankbar machen. Man kann zum Beispiel in Buñuels wunderbarer Biografie „Mein letzter Seufzer“ nachlesen, dass es etwas durchaus Befreiendes haben kann, wenn der Wunsch nach Exzessen, seien sie alkoholischer oder sonstigen Trieben geschuldeter Art, langsam nachlässt.  

Wenn man vor allem den Autorinnen aus dem englisch-irischen Raum glauben kann – und ich habe aus teilnehmender Beobachtung wenig Zweifel daran – scheint es ein beliebtes Gesellschaftsspiel junger Damen zu sein, sich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken und am nächsten Morgen schrecklich zu leiden – allerdings nicht schrecklich genug, um es sein zu lassen. Man tut ja bekanntlich viel, von dem man weiß, dass es einem nicht gut tut, und das kann mit Spirituosen zu tun haben oder mit Männern, die nicht hinreichend in einen verliebt sind. Aber der größte Fehler der Frau an sich ist ja, dass sie gerne glaubt, man könne das ändern – oder ihn eben.

Megan Nolans Roman handelt von eben diesem Phänomen, und ähnlich wie in „Ghosts“ von Dolly Alderton, den „Skrupellosen“ von Sadie Jones oder auch „Hitze“ von Raven Leilani haben diese jungen Heldinnen (oder Antiheldinnen) einen stark masochistischen Zug. Als alte Frau möchte man ihnen dann immer sagen: „Laßt es sein, ihr könnt euch noch so anstrengen, er liebt euch einfach nicht“. Aber leider: es hilft nicht, ihnen Ratschläge zu geben, jeder muß seine Erfahrungen selbst machen.

Wenn dies also die neue Frauenliteratur ist – und sie lesen sich alle sehr gut, die oben genannten Bücher – kommt man zu dem Schluß, dass trotz „me too“ und anderen mehr oder weniger feministischen und emanzipatorischen Aufschreien der letzten Zeit alles beim Alten geblieben ist: gegen Dummheit in Liebesdingen ist noch immer kein Kraut gewachsen.  Ob sich das jemals ändert?

Mit anderen Worten: ein Buch für junge Frauen, in dem sie den Trost finden, nicht alleine zu sein in ihrer Verzweiflung, und für ältere Frauen, die sich mit einem Glas Rotwein im Sessel zurücklehnen können und dankbar sein dafür, dass das Schlimmste vorbei ist.

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