Zum Leben verdammt

So wie William Barry in „Tage ohne Ende“ befaßt sich auch Woodrell in seinem jüngsten, auf Deutsch erschienenen Roman mit einer Seite des amerikanischen Bürgerkriegs, der auch dem historisch Interessierten nicht ohne Weiteres vertraut ist: den Milizen, die auf beiden Seiten neben der regulären Armee in den letzten Jahren des Krieges im Grenzgebiet zwischen Missouri und Kansas als eine Art Guerillakämpfer Angst und Schrecken vor allem unter der Zivilbevölkerung verbreiteten.

Recht und Gesetz gab es nicht, Männer, die ohnehin nie etwas besaßen oder alles in den Wirren des Krieges verloren hatten, manche noch halbe Kinder, schlossen sich zu marodierenden Banden zusammen, die in einer Art Blutrausch jeden töteten, der ihnen vor die Flinte kam, ganze Ortschaften abbrannten, wohl wissend, dass ihre Chancen, davonzukommen und in ein halbwegs zivilisiertes Leben zurückzukehren, mehr als gering waren.

In einer Zeit, in der Amerika sich dank seines Präsidenten wieder in eine Art Rechtlosigkeit verabschiedet, hilft ein Buch wie dieses zu verstehen, auf welcher Geschichte die Vereinigten Staaten nun einmal aufgebaut wurden. Beruhigend ist das nicht. Aber sehr lesenswert, wie alles, was Woodrell bisher geschrieben hat. Gute Nerven braucht man aber schon.

Woodrell, Daniel
Liebeskind Verlagsbuchhandlung
ISBN/EAN: 9783954380947
20,00 €